Freiburg: DGB-Haus wird verkauft – keine Chance für Gegen-Idee – badische-zeitung.de

Freiburg: Netzwerk “Recht auf Stadt” und andere wollen Ex-DGB-Haus neu, sozial und flüchtlingssolidarisch nutzen. DGB will nur verkaufen

Ex-DGB-Haus neu, sozial und flüchtlingssolidarisch nutzen! Diese Forderung und das dahinterliegende Konzept stellten am Donnerstag, den 26. November, das Netzwerk Recht auf Stadt, Aktive aus dem Freiburger Rasthaus und ein Vertreter des Bauvereins “Wem gehört die Stadt?” aus dem Mietshäuser Syndikat vor.

Das Mini-Rasthaus, das als Initiative schon 15 Jahre besteht, platzt derzeit aus allen Nähten. „In einer Zeit, in der Geflüchtete auf engstem Raum in Zelten, Turnhallen oder heruntergekommenen Wohnheimen untergebracht werden. In einer Zeit in der die Entrechtung der Geflüchteten mit monatlichen oder teils wöchentlich neuen Asylrechtsverschärfungen, gepaart mit fast täglichen Übergriffen auf Flüchtlingswohnheime und rassistischen Demonstrationen, vorgenommen wird. In solch einer prekären Situation ist eine unabhängige Anlaufstelle, bei der sich Betroffene selbst organisieren und sich dabei mit anderen sozialen und politischen Initiativen austauschen können, um für ihre Rechte zu kämpfen, nötiger denn je!“ erklärt eine Aktivistin aus dem Freiburger Rasthaus über die sich bietende Perspektive in der Hebelstraße.

Das Netzwerk Recht auf Stadt hatte schon letztes Jahr einen Entwurf mitentwickelt, der für das Gelände der derzeitigen Landespolizeiakademie ein Zusammenleben mit Geflüchteten ermöglichen sollte. Verschiedene Gruppen, die am Freiburger Wohnungsmarkt derzeit kaum eine Chance haben, sollten berücksichtigt werden. Stattdessen wird es aber ab 2016 ein Massensammellager für Flüchtlinge geben.

„Was wir jetzt brauchen, sind Projekte, die die Interessen verschiedener benachteiligter Gruppen, wie zum Beispiel von Flüchtlingen und Erwerbslosen, verbinden. Nur so kann einer sozialen Spaltung wirksam entgegengetreten werden“, erklärt eine Vertreterin des Netzwerks Recht auf Stadt. „Wir sind uns sicher, dass der DGB seiner gesellschaftlichen Verantwortung bewusst ist und unseren Ideen Raum geben wird.“

Um ein sicheres Finanzkonzept muss man sich keine Sorgen machen. Das Freiburger Mietshäusersyndikat würde als Partner bereit stehen. „Ich denke, dass es genügend UnterstützerInnen gibt“, ist sich Stefan Rost vom Bauverein “Wem gehört die Stadt?” aus dem Mietshäuser Syndikat sicher.

In einer Pressemitteilung verweisen die Aktivist_innen auf Göttingen, wo ein seit langem leerstehendes DGB-Haus seit Anfang November besetzt ist: “Die dortige Initiative hat ganz ähnliche Ziele wie Recht auf Stadt in Freiburg. Positive Rückmeldungen gibt es von zahlreichen Gruppen, Parteien und auch dem dortigen DGB. Nicht zuletzt die schnelle Unterstützung des ver.di Ortsverbandes Freiburg lässt uns hoffen, dass der DGB auch in Freiburg unserer Initiative baldmöglichst den nötigen Raum bieten wird.”

Netzwerk Recht auf Stadt Freiburg, 27.11.2015
http://www.rechtaufstadt-freiburg.de/2015/12/pm-ex-dgb-haus-neu-sozial-und-fluechtlingssolidarisch-nutzen/

Auch der ehrenamtliche Vorsitzende des DGB-Stadtverbands Freiburg, Bernd Wagner, unterstützt den Vorschlag: “Die Umsetzung der Idee würde dem sozialpolitischen Anspruch des DGB entsprechen, dessen öffentliches Ansehen erhöhen und ein Zeichen gegen Fremdenhass sein.”

Nach Informationen der Badische Zeitung hält die Vermögensverwaltungs- und Treuhand-Gesellschaft (VTG) des DGB, der das Gebäude gehört, am Verkauf fest. Jan Piegsa, Sprecher des DGB-Bundesvorstands, sagte, dass die VTG sich in Gesprächen mit interessierten Käufern befinde, derzeit aber keine weiteren Infos zum Verhandlungsstand geben könne.

http://www.badische-zeitung.de/freiburg/dgb-haus-wird-verkauft-keine-chance-fuer-gegen-idee–114758786.html