Frankfurt: @fnp_zeitung interviewt @georgbertsch. #Stadtentwicklung der nächsten Jahrzehnte antizipieren
FNP – Frankfurter Neue Presse: „Professor Georg-Christof Bertsch findet, dass die Planungspolitik zu kleinteilig denkt. Die Zukunft sei nur sinnvoll zu gestalten, wenn man die Stadtentwicklung der nächsten Jahrzehnte antizipiert. Damit der Wohnungs- und Verkehrsdruck auf Frankfurt nicht noch weiter steigt, müssten Arbeit und Wohnen wieder zusammengeführt werden, sagt der Stadtdenker im Gespräch mit Politikchef Dieter Sattler. …
FNP: Angenommen Dynamik und Wachstum in Frankfurt würden sich so fortsetzen. Wird dann in 10, 15 Jahren eine Wohnung in Frankfurt für die Krankenschwester, für den Polizisten überhaupt noch finanzierbar sein? Oder müssen die außerhalb wohnen?
BERTSCH: Wenn das so weitergeht wie momentan, wäre das tatsächlich der Fall: Eine Wohnung wäre nicht mehr finanzierbar, denn Sozialwohnungen werden aufwendiger und teurer, es werden mittlerweile viel zu wenige wirklich günstige Wohnungen gebaut. Wenn das so weitergeht, wird es bedeuten, dass diese Dienstleistungskräfte, die für das Metropolenleben notwendig sind, sehr weit außerhalb wohnen, unglaublich lange Anfahrtswege haben und dadurch eine noch viel schlechtere Lebensqualität, als sie ohnehin schon haben bei ihren vergleichsweise geringen Gehältern. …
FNP: Ihr Zukunftsappell an die Politik und Stadtplanung?
BERTSCH: Wir werden einen erheblich größeren Druck auf unsere Region bekommen, als wir uns heute überhaupt nur vorstellen können. Und das muss einfach mehr mitgedacht werden. Da wagt sich keiner dran. Was bedeutet es denn eigentlich, wenn Frankfurt um 300 000 Einwohner wächst, oder um 500 000? Diese Stadtvorstellung wird nicht in Erwägung gezogen. Weil diese großen Systeme, diese großen Strukturen, diese großen Potenziale, die auch da sind, im Guten wie im Schlechten, nicht gedacht werden, quälen wir uns mit kleinteiligen Geschichten herum. Wir sind einfach nicht bereit und in der Lage, groß und langfristig zu denken. Das ist das Problem.“